Bunter Januar

Gleich an meinen ersten Tagen im neuen Jahr erwartet mich meine bisher erste Sturmflut. Vorab erhalten wir immer detaillierte Informationen über die kommenden Tage, was die Sturmflut angeht. Das ist besonders wichtig, um vorher die Siele zu schließen, um das Wasser nicht weiter passieren zu lassen. Vorhergesagt ist aber nur eine leichte Sturmflut, sodass hauptsächlich die Strände überflutet werden. Als ich mir die aktuelle Situation zu Hochwasser anschaue, dachte ich kurz, ich gucke nicht richtig. Der ganze Strand ist bedeckt mit bunten Ü-Eiern, die angeschwemmt worden sind. Gefühlt ist ganz Langeoog am Strand und versucht mit großen Säcken, so viele Eier wie möglich mitzuschleppen. Der Anblick ist der Wahnsinn. Sie kommen von einen Frachter, der die Eier nach Russland bringen sollte. Aber nicht nur Ü-Eier sind im Spülsaum zu finden, sondern auch Elektrokabel, Plastikhüllen und drei große Container mit Holz. Einer dieser liegt leider direkt im Schutzgebiet, sodass natürlich viele Touristen da rein latschen müssen.

In den nächsten Tagen findet dann auch eine große Strandsäuberung statt, wo nicht nur der Küstenschutz, sondern auch die Gemeindemitarbieter beteiligt sind. Am zweiten Tag der Säuberung fahre ich mit, um weitere Unterstützung zu geben. Der Müll muss nämlich schnell vom Strand verschwinden, die nächste Sturmflut wartet, diesmal folgen aber ein paar leichte Sturmfluten nacheinander. Selbst zu Niedrigwasser steht das Wasser ziemlich weit vorne bei den Primärdünen (erste Dünenreihe). Das ist aber alles schneller gesagt als getan, die kleinen Plastikstreifen sind schon so mit dem Sand verschmolzen, dass man sie nur schwer wieder heraushaken kann.Neben dem angespülten Müll hat die Sturmflut aber noch einiges mehr angerichtet. Viele der Strandübergänge sind nicht mehr gut zu betreten, steile Kanten im Hauptbadbereich. Jedoch bahnen sich viele Touristen selbst den Weg zum Strand über die Übergänge, auf eigene Gefahr natürlich. 

Ziemlich gespannt auf mögliche Totfunde blicke ich auf die kommende Spülsaumkontrolle. Vorerst geht es aber zur WWZ (Wasserwatvogelzählung). Diese ist wohl die anstrengendste bisher, wir befinden uns immer noch nahe der letzten Sturmflut und der Wind peitscht mir ungehindert in Gesicht. Es dauert gefühlte Ewigkeiten, bis wir nach der Zählung wieder unsere Unterkunft erreichen.Bei der Spülsaumkontrolle erwarten uns tatsächlich einige spannende Funde:Ein noch gut erhaltender Tordalk und eine Trottellumme (gehören zu den Alken und sind Hochseevogel, die in Deutschland einzig auf Helgoland zu finden sind). Vogeltechisch ist es auf der Insel ansonsten sehr still geworden, die zweite WWZ im Januar ging aufgrund weniger Vögel so schnell wie noch nie und auch bei der nächsten Spülsaumkontrolle finden wir nur ein einziges Schwingepaar einer Graugans. Highlights gibt es  trotzdem: Bei unserer zweiten WWZ entdecken wir auf dem Schloppsee 7 Bergenten, die sonst nur recht selten hier zu sehen sind. Außerdem sind in der Salzwiese gleich 3! Wanderfalken zu sehen. So viele an einem Ort habe ich bisher noch nie gehabt. Das Bild zeigt den toten Tordalk.

Arbeitstechnisch haben wir außerdem ein paar Orientierungspfähle angestrichen und in die Feldkarten gesetzt.Auch wenn ich rückblickend wieder enorm viel frei hatte, gab es einiges zu tun und viele Ereignisse, die den Januar zu einem besondern Monat gemacht haben.